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  • judithschunk

Über das sich-Vorwürfe-machen

Wir alle kennen sie: diese inneren Stimmen, die uns maßregeln, die bewerten und verurteilen. An manchen Tagen sind sie lauter, an manchen leiser. Manche nennen den Verbund dieser Stimmen den 'inneren Kritiker'. Wenn er aktiv ist, gehen wir sehr hart mit uns selbst ins Gericht. Alle möglichen eigenen und übernommenen Glaubenssätze prasseln dann auf uns ein, also Vorstellungen davon, wie wir als Mama, als Frau*, als Mensch sein sollten, wie wir fühlen sollten, wie wir uns verhalten sollten. Kennst Du das, Dir selbst Vorwürfe zu machen:


… weil ich niemand mehr in die Wohnung lassen will- so wie es hier aussieht ? … weil ich morgens nicht aus dem Bett kriechen will?

… weil ich so schnell gelangweilt bin vom 'Sandkuchen essen'-Spiel?

… weil ich Angst habe, etwas zu verpassen?

… weil ich nicht ansatzweise alles gebacken kriege, was ich mir vorgenommen habe?

… weil ich schon viel zu lange nicht in Lust und Ekstase und S*x geschwelgt habe?

… weil alle anderen es besser hinkriegen als ich?

… weil ich mir das Mama Sein ganz anders vorgestellt habe?


Es gibt wohl kaum eine Frau*, die sich nicht zumindest einige dieser Vorwürfe ab und an - oder am laufenden Band um die Ohren haut. Das besonders Toxische daran: die meisten von uns sind sich dafür auch noch böse. Also wir verurteilen uns dafür, dass wir uns verurteilen. Das ist eine endlos-Schleife nach unten....


Ich möchte Dir sagen: Du kannst aussteigen aus dieser endlos-Schleife:

Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen vor irgendeinem Vorwurf. Wir können dem eisernen Griff des 'inneren Kritikers' entkommen: a) Wenn wir verstehen, dass es Gefühle & Gedanken sind, die unter den Selbst-Vorwürfen liegen.

b) Wenn wir bereit sind, die zugrundeliegenden Gefühle & Gedanken zuzulassen. Denn dann wird es möglich, mit den Gefühlen die den Vorwürfen zu Grunde liegen, umzugehen. Die eigenen Gefühle lassen sich mit ein bisschen Übung berühren, verstehen, verändern. Das lässt sich durch Bewusstsseinsarbeit lernen (z.B. durch Meditation, Yoga, Achtsamkeitsübungen). Manche Dynamiken in unserer Gefühlswelt sind durch traumatische Erfahrungen entstanden; durch Wunden und Verletzungen aus der Vergangenheit. Hier können innere Kind Arbeit, traumasensible Begleitung, Aufstellungsarbeit und Seelenreisen helfen. Manches Gedankengut oder Gefühls-Muster lässt sich sehr schnell verändern, manches braucht Zeit. Mit manchen Prozessen sind wir vielleicht ein Leben lang beschäftigt. Diese Zeit dürfen wir uns gerne geben.


Was uns aber schon jetzt und direkt in die Veränderung bringen kann ist folgende Erkenntnis: was uns in der endlos-Vorwurfs-Schleife gefangen hält, sind nicht die Gefühle an sich – sondern wenn wir ihnen ausweichen.

Also wenn wir das Gefühl ignorieren und/ oder zuschütten z.B. durch übermäßig viel Arbeit oder Sport, mit Alkohol, mit Netflixen uä.


Wenn wir es stattdessen schaffen, uns in das unangenehme/ gruselige/ ungewollte Gefühl das den Vorwürfen zu Grunde liegt hineinzubegeben— dann sind wir auf der Reise zum Grund. Dann sind wir schon dabei, die endlos-Schleife zu durchbrechen.

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